Tochterrolle „Die Besserwisserin“

Hier nun die 2. Rolle, die ich für dich skizziert habe. Alles mit einem Augenzwinkern. So spielt auch niemand nur die eine Rolle – meistens erfüllen wir mehrere gleichzeitig. Es geht mir vor allem darum, die Dynamik des Tochterverhaltens aufzuzeigen und die Ursachen. Während ich die erste Rolle „Mama´s Lastenträgerin“ als die Grundlage aller anderen ansehe, werden wir nun etwas spezieller – Viel Spaß, du geliebte Tochter!

"Ich weiß am besten, wie Mutter ihr Leben leben sollte"

Weil die Mutter ja eine schwere Vergangenheit hat und ihr eigenes Selbst nicht gut entwickeln konnte als Kind, ist die brave (erwachsene) Tochter stets zur Stelle, um der Mutter zu zeigen, was gut für sie ist – und allen anderen gleich mit 😉 Aber wer ist die Tochter? Niemand – es ist niemand zu Hause, Raum verlassen, eigene Bedürfnisse vergraben, vielleicht sogar total unbekannt. Hier mal eine kleine Übung: Wenn niemand da wäre, um den du dich „kümmern“ kannst – wie fühlt sich das für dich an? 

Manche Besserwisserin hat diese Extrem-Strategie gefunden: Als Kind völlig überfordert vom unsicheren Außen, kapselt sie sich komplett ein. „Wenn Mama nicht in der Lage ist oder alle alles nur falsch machen, dann mach ich es lieber – mich um mich kümmern, das kann ICH eh am besten!“ Diese Töchter sind dann tatsächlich auf sich selbst fixiert; verhärtet nach draußen, sie haben wahrhaft die Ausstrahlung einer Mauer. Alles andere ist sinnlos und gefährlich. Sie dulden andere höchstens als „Diener“- dies als kleiner Ausflug am Rande 😉 Vielleicht erkennt so manche Tochter hier ihre Mutter wieder: siehe Hauptrolle Nr. 11: „Mamas Schemel“

Die gutmeinende Tochter steckt also ihre eigenen Bedürfnisse zurück zugunsten der anderen und fühlt sich dabei häufig auch noch edel und selbstlos (ist sie ja auch – ohne Selbst). Das endet meistens in Enttäuschung. Diese falsche Verantwortung entwickelt die Tochter später für ihr gesamtes Umfeld – „keiner weiß es so gut wie ich!“ Kommt dir das bekannt vor? Diese Aufgabe ist frustrierend, zum einen, weil man niemals irgendeine Befriedigung daraus ziehen kann (außer der Bestätigung, dass alle Menschen faule Egoisten sind 😉 ) und zum anderen, weil man einfach niemanden ändern kann. Oder hat sich deine Mutter dir zuliebe geändert oder irgendjemand anders? Und wenn doch – hat sie/er deinen Respekt? Ich frage dich das, weil es dir in Wahrheit nicht darum geht, den anderen irgendetwas beizubringen – das ist ja nur eine Ersatzhandlung für dich, ein Ventil. Du glaubst nämlich das: „Ich bekomme nur Liebe und Zuwendung, wenn ich das tue, was du sagst.“ Und diese Überzeugung wird dir dann im Außen gespiegelt, du lebst sie praktisch. Aber da das nicht die echte Wahrheit ist, ist sie nicht erfüllend. Es ist ein Missverständnis, das du als Kind gelernt hast. OK? Es ist nicht die Wahrheit!

Mit deiner Aufopferung erreichst du nur dies: 1. Die Mutter wird gestört in ihrem Selbst und ständig angezweifelt, 2. Die Tochter verliert die Verbindung zu ihren eigenen WAHREN Bedürfnissen -sie ist ja mit anderen beschäftigt, bzw. damit, sich gegen andere zu schützen 3. Die Tochter verliert irre viel Energie – was ist erschöpfender als ein vergebliches Bemühen? 4. Du ziehst Menschen an, die genau das für dich sind: deiner Hilfe bedürftig. Kommt dir das vertraut vor? 

Als Alternative kannst du das hier probieren: Liebe Mutter, ich respektiere, wie du dein Leben lebst, auch wenn es nicht meinen Vorstellungen entspricht. Wie kann ich wissen, was richtig oder falsch für dich ist? Ich kümmere mich ab jetzt um mich selbst, LIEBEVOLL, das ist der einzig wahre Weg. Und wenn ich liebevoll mit mir selbst bin, kann ich auch alle anderen liebevoll annehmen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.